Achtsamkeitsübungen - Ein 13-wöchiger Kurs

von Frank

Der Begriff "Achtsamkeit" hat in den letzten Jahren einen wahren Boom erlebt. Allerdings wird er zunehmend von seiner ursprünglichen Bedeutung entleert und oft nur noch als Modewort verwendet. Dies sollte uns nicht daran hindern, den Wert des dahinter stehenden Prinzips zu erkennen. Ob man dieses dann für sich als Achtsamkeit, Gegenwärtigkeit, Bewusstheit oder anders benennt, ist nicht wichtig. Gemeint ist ein tiefes In-Kontakt-Treten mit dem gegenwärtigen Augenblick, und eine aufmerksame Hingabe an das Tun und Sein.

Achtsamkeit verdeutlicht uns Zusammenhänge und Verantwortung. Reflexion, Meditation und Austausch mit anderen können uns Wege zeigen, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Das tiefe Schauen in die Dinge und unsere Handlungen kann von reflexhaften und schädlichen Impulsen befreien und zu einer frischen Sichtweise und Freude führen.

In jedem Fall entfalten sich die positiven Effekte der Achtsamkeit primär im Praktizieren und Erleben. Berichte, Bücher oder Vorträge können allenfalls den Weg zeigen – das Gehen des eigenen Weges ersetzen sie nicht.

An dieser Stelle werfen wir daher den Blick auf ein interessantes Angebot, den Wert der Achtsamkeit in einer Art "Fernstudium" zu entdecken.

Das ursprünglich in Englisch konzipierte Programm heißt im Orginal "Mindfulness Training Course" (MTC), was vielleicht ein wenig nach geistiger Gymnastik oder auch einer Art Ausbildung klingt. Tatsächlich geht es aber darum, in konzentrierter, aber auch spielerischer Form Achtsamkeitsübungen in den Alltag zu integrieren. Diese Übungen sind praxisorientiert und durchaus bodenständig. Statt esoterischen Heilsversprechen erwartet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine aufmerksame Beschäftigung mit der eigenen Lebenswirklichkeit. Ob beim Abwasch, im Gespräch mit anderen oder beim Reflektieren des eigenen Konsumverhaltens – alle Situationen sind geeignet, diese bewusster zu erleben, problematische Muster zu erkennen und daran zu wachsen.

Über einen Zeitraum von 13 Wochen wird jeweils ein thematischer Schwerpunkt gesetzt. Zu diesem Thema gibt es einen kurzen Einführungstext sowie Anleitungen zu praktischen Übungen, die teils in alltägliche Verrichtungen (wie das Kochen und Essen) integriert werden. Andere Übungen erhalten etwas Zeit abseits des Alltags - kleine Meditationen oder Reflexionen etwa. Der Kurs erfordert also durchaus Engagement und wird nur dann sein Potential entfalten, wenn die Bereitschaft und Möglichkeit da ist, die notwendige Zeit einzuräumen und sich einzulassen. Ganz nebenbei ist er nicht zu absolvieren.

Den Übenden werden bei Beginn des Kurses ihren Mentoren bzw. Mentorinnen zugeteilt. Hierbei besteht die Möglichkeit, eine Präferenz zu äußern, von wem man betreut werden möchte (Die Mentorinnen und Mentoren werden auf der Website des Projektes vorgestellt). Der Austausch erfolgt nach Vereinbarung per Mail, Telefon oder Skype. Einmal in der Woche schreiben die Übenden einen kurzen Bericht, der von der begleitenden Person kommentiert wird. Es ist ein Austausch von Mensch zu Mensch, persönliche Inhalte der Kommunikation werden Dritten nicht mitgeteilt.

Der Kurs ist intensiv, da er viele Lebensbereiche berührt. Allerdings geht es darum, auch die eigenen Möglichkeiten und eventuelle Hindernisse zu erkennen und diese zu berücksichtigen. Manche Übung wird daher vielleicht kürzer ausfallen als vorgeschlagen, oder es ist auch mal "Mut zur Lücke" gefordert. Das eigene Tempo und den eigenen Rythmus zu finden ist hier wichtiger als stur einer Anleitung zu folgen.

Teilnahme und Organisation

Für die Teilnahme an dem Kurs wird eine Gebühr erhoben, die den organisatorischen Aufwand und einige Unkosten der Mentoren und Mentorinnen deckt. Enthalten sind ebenfalls die Kosten für die Kursunterlagen sowie Audio-CDs mit Vorträgen und Meditationsanleitungen. Diese Gebühr reicht von 80 Euro (für Menschen mit begrenzten Mitteln) bis zu 130 Euro (für jene, die das Projekt unterstützen möchten). Es besteht die Möglichkeit, nach dem Kurs eine freiwillige Spende zu entrichten, die an die Betreunden und deren Supervisoren geht. Ich empfinde diese Kosten und Regelungen als sehr fair und nachvollziehbar. Der zeitliche Aufwand für die Mentorinnen und Mentoren ist nicht unbeträchtlich und es ist daher klar, dass dieses Angebot nicht auf materiellen Gewinn zielt. Alle Beteiligten haben offenbar Freude daran, andere auf ihrem Weg zu begleiten.

Erfreulicherweise wurden die Kursunterlagen mittlerweile ins Deutsche übersetzt und es gibt eine ganze Reihe von deutschprachigen Mentoren und Mentorinnen. Ebenso gibt es einige Meditationsanleitungen auf Deutsch. Die Vorträge sind in englischer Sprache – wer dieser nicht ausreichend mächtig ist, bleibt aber nicht außen vor. Es würde sich in diesem Fall empfehlen, während der Zeit des Kurses geeignete Literatur zum Thema Achtsamkeit zu lesen, um die Erfahrung und das Verständnis zu vertiefen. Obwohl die Vorträge den Kurs sehr schön begleiten, sind sie keine unabdingbare Voraussetzung für die Teilnahme. Das Konzept ist offen und die Wege aller Übenden unterscheiden sich. Wichtig ist nur die Entscheidung, sich auf den Weg zu begeben.

Die Website des Achtsamkeitstrainingskurses ist derzeit allerdings nur englischer Sprache verfügbar. Nach der Anmeldung erfolgt die Kontaktaufnahme aber durch die deutschsprachige Mentorin oder den Mentor.

http://www.mindfulnesstrainingcourse.org

Eine deutsche Version der Website ist in Vorbereitung und wird 2014 online gehen.

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