Probleme durch Achtsamkeit und Meditation?

von Frank

Auf Spiegel Online erschien der Artikel "Achtsamkeit mit Nebenwirkungen: Verdammt, entspann dich!"

Nun mag es wenig überraschend erscheinen, dass auch Meditation und Achtsamkeit negative Effekte haben können. Denn alles was wirkt, kann auch Nebenwirkungen haben. Dramatische Erfahrungen werden skizziert, die an "Drogentrips" heranreichen. Im Artikel wird vermutet, dass einige Effekte auf die Intensität und Häufigkeit zurückzuführen sind, mit der praktiziert wurde – gemäß der Einschätzung von Paracelsus "Die Dosis macht das Gift".

Daneben nennt der Artikel Lebensumstände, bei denen Meditation und Achtsamkeit risikoreich seien (akute Depressionen, Sucht). Sicher ist es unabdingbar, bei der Entscheidung für oder wider eine Praxis die konkrete Lebenslage zu berücksichtigen. Allerdings ist es fragwürdig, die Vielzahl der möglichen Techniken und Ansätze in einen Topf zu werfen und einen "Beipackzettel" für alles zu liefern. Achtsamkeit ist ein Teil unseres täglichen Lebens, selbst wenn wir sie nicht so benennen. Meditatiive Zustände werden auf unterschiedlichste Weise herbeigeführt. Was gälte es zu vermeiden? Welches Risiko ist gerechtfertigt? Fragen, die nicht pauschal zu beantworten sind.

Wichtig ist zu verstehen: wenn wir aufmerksam betrachten was ist, so lässt dies deutlicher werden, was ist. Wir können durchaus Problemen begegnen – die durch die Meditation aber nicht entstehen, sondern nur ins Bewusstsein treten. Dies können unterliegende negative Gefühle sein, Angst vor Kontrollverlust, vergessene biografische Episoden. Werden schwerwiegende Beeinträchtigungen erkannt, bedarf es möglicherweise des Rates Anderer, seien es erfahrene spirituelle Lehrer oder geeigenete Therapeuten.

Im historischen Kontext der östlichen Traditionen wurden Meditation und Achtsamkeit nie um ihrer selbst willen praktiziert. Die Reduktion von Stress und Anspannung, das Verlangsamen des Gedankenkarusells und Wohlgefühl wurden nicht als Ziel gesehen, sondern als Teil eines weiterführenden Weges. Sie wurden nicht erdacht, um Leistungsdruck zu kompensieren und die Arbeitsfähigkeit zu steigern.

Entspannung und Fokussierung wurden verstanden als eine Basis für die vorurteilsfreie und respektvolle Erforschung der Existenz. Meditation und Achtsamkeit sind also kein Selbstzweck, sondern Werkzeuge, die einem umfassenderen Ziel dienen. Ist dieses Ziel nicht vorhanden, können die transformierenden Kräfte ins Leere, möglicherweise zu Verwirrung führen.

In diesem Sinne stellt sich die Frage nach einem größeren Sinnzusammenhang, in den die Ausübung von Achtsamkeit und Meditation eingebettet sein sollte. Siddhartha Gautama, genannt der Buddha – der Erwachte – wies vor über 2500 Jahren den achtfachen Pfad zur Befreiung von Unwissenheit und Leiden.

  • Rechtes Erkennen (der eigenen Situation und der Möglichkeit, sie zu verbessern)
  • Rechte Absicht (die Schwierigkeiten zu überwinden)
  • Rechte Rede (Aufrichtigkeit mit sich selbst und anderen)
  • Rechtes Handeln (u.a. anderen und uns selbst möglichst kein Leid zuzufügen)
  • Rechter Lebenserwerb (Kritisches Prüfen der Wirkung auf uns und andere)
  • Rechtes Bemühen (eine positive Transformation herbeizuführen)
  • Rechte Achtsamkeit (bewusstes Wahrnehmen, Reflektieren, Handeln)
  • Rechte Sammlung (weises Führen des eigenen Geistes, auch durch Meditation)

Der Buddha sah als Bedingungen für ein befreites Leben nicht nur Meditation und Achtsamkeit. Alle Glieder des achtfachen Pfades sind gleich bedeutend. Wird ein Aspekt vernachlässigt, können auch die anderen sich nicht voll entfalten.

Werden Achtsamkeit und Meditation aus dem Zusammenhang einer ganzheitlichen Entwicklung gerissen, könnte tatsächlich das im Artikel beschriebene Gefühl der Leere und Desorientierung auftreten. Erkennen wir, dass unser Übungsfeld weiter ist, und jeden Aspekt unserer Existenz einschließt. Dies bedeutet vielfältigere Herausforderungen, aber auch eine allumfassende Perspektive.

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